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29.09.2009 - Zukunftsstrategien für Milchviehhalter
(DTC). „Bei einem professionellen Umgang mit den neuen Markt- und Preisrisiken auf dem Milchmarkt hat die Milchwirtschaft in NRW im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr gute Zukunftschancen“. Diese günstige Zukunftsprognose für den nordrhein-westfälischen Milchmarkt ist möglich, weil der Selbstversorgungsgrad bei Milch in NRW mit 44 % - Schleswig Holstein liegt bei 244 % - sehr niedrig ist. Weiterer Vorteil: Das Ballungsgebiet mit dementsprechend hoher Nachfrage befindet vor der Haustüre. Das ermöglicht höhere Preise für Erzeugermilch als in anderen Regionen, da lange Anlieferungswege wegfallen. Die Verbraucher legen Wert auf Regionalität, kurze Wege und damit Klimaschutz. „Daneben sind die Molkereiunternehmen in Nordrhein-Westfalen gut aufgestellt. Wird die Produktpalette vergrößert, lässt sich das Absatzrisiko weiter verringern.“ Weiterhin wird der Milchabsatz in NRW durch regionale Institutionen wie die Landesvereinigung Milch und die Landwirtschaftskammer gefördert. Leider fließt in Deutschland im Gegensatz zu anderen EU-Ländern und Amerika das Argument Qualität zu wenig in die Preisfindung ein. Auch muss das Risikomanagement innerhalb der Wertschöpfungskette dringend verbessert werden. „Derzeit tragen Sie als Landwirt das Risiko für sinkende Absatzpreise und damit sinkende Erzeugerpreise hauptsächlich alleine“. So ist beispielsweise eine Preisbindung und damit eine gewisse Preisabsicherung über Warenterminbörsen denkbar, die aber derzeit im EU-Raum noch nicht existieren. Für die Wertschöpfungskette ist ebenso eine engere Zusammenarbeit vom Milcherzeuger über die Verarbeitung bis hin zum Handel von Vorteil.
Da die Nachfrage nach den Rohstoffen Butter und Milchpulver auf dem Weltmarkt wieder anzieht und auch saisonal weniger Milch erzeugt wird, wird für den Herbst ein Preisanstieg für Milch prognostiziert, der sich nach jetzigem Stand bei plus vier bis fünf Cent je Kilogramm Milch bewegen dürfte. „Auf lange Sicht kann sich das Preisgefüge am Milchmarkt nur festigen, wenn die Angebotsmenge zurückgeht.“ Derzeit ist der Milchmarkt höchst volatil, das heißt durch starke Preisschwankungen gekennzeichnet und in seiner Entwicklung kaum vorhersehbar.“ Hinzu kommen die Folgen der Wirtschaftskrise, die sich ebenso schlecht einschätzen lassen. Dennoch darf man die Anzeichen einer leichten Marktentspannung ernst nehmen: Der Milchpreis ist schlechter als die Nachfrage. Die Nachfrage zieht an, auch auf EU-Ebene. Die Exporte in Drittländer steigen. Mehr als diskussionswürdig ist die aktuelle EU-Agrarpolitik. „Die niedrigen Milchpreise sind politisch als Instrument für den Strukturwandel gewollt und im Agrarministerrat beschlossen worden. Dieser Zusammenhang wird von den Verantwortlichen in öffentlichen Diskussionen oft missverständlich oder in einem andern Licht dargestellt.“
Vortrag von Dr. Holger Thiele, Informations- und Forschungszentrum Ernährungswirtschaft(ife), Kiel, auf der Tagung für Milchviehhalter in Hückelhoven-Hilfarth und dem Landwirtschaftszentrum Haus Riswick am 10. September 2009

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