Hier können Sie sich registrieren.
Passwort vergessen? Hier können Sie ein neues beantragen.
15.09.2009 - Eigenremontierung ? (k)ein Erfolgsrezept für alle Sauenhalter
Wachsende Sauenbestände und höhere Anforderungen an den Gesundheitsstatus...(LWK-Niedersachsen) Wachsende Sauenbestände und höhere Anforderungen an den Gesundheitsstatus der Tiere sowie stark schwankende Ferkelerlöse veranlasst viele Betriebe dazu den Tierverkehr einzuschränken und geschlossene Systeme (Close-Herd-Systeme) aufzubauen. Eigene Jungsauen selber zu remontieren wird auch aus Liquiditätsgründen immer attraktiver.
Die Erfahrung zeigt, dass gerade Gesundheitsaspekte die Hauptmotivation für viele Betriebe darstellen, um in die Eigenremontierung einzusteigen.
Die am Markt vertretenen Zuchtunternehmen bieten hierfür verschiedene und auf einzelbetriebliche Situationen angepasste Konzepte an. Bevor man jedoch in die Eigenremontierung einsteigen möchte, sollte man am besten gemeinsam mit der jeweils betreuenden Zuchtorganisation folgende Sachverhallte abklären:
Welches Remontierungskonzept kommt für meinen Betrieb in Frage,
Mit welcher Linien-Kombinations-Basis könnte ich mir eine Eigenremontierung vorstellen?
Wie hoch sind die sich daraus ergebenden Anteile von Kern- / Remontierungs- und Produktionsherde?
Besteht die Möglichkeit, Jungsauen separat aufzuziehen?
Wie sollen die anfallenden "Nebenprodukte" (Vorstufenbörge und/oder ausselektierte Jungsauen) vermarktet werden?
Wie sind die persönlichen Präferenzen/Neigungen in Bezug auf die Zuchtarbeit?
Welches Betreuungsangebot seitens des Zuchtunternehmens ist notwendig, damit mein Eigenremontierungskonzept durch Information und/oder praktische Serviceleistungen erfolgreich läuft?
Welche direkten Kosten fallen im Rahmen der Eigenremoniterung an?
Welches Kostenmodell der Lizenzgebühren passt am besten zu meiner betrieblichen Situation?
Drei Grundkonzepte der Eigenremontierung:
Die klassische Eigenremontierung lässt sich im Wesentlichen in drei unterschiedliche Systeme gliedern:
1. Kernherde mit Zukauf der Großelterntiere (eingeschränkter Tierverkehr)
2. Kernherde mit eigener Produktion der Großelterntiere (geschlossenes System)
3. Wechsel- (2-Linien) oder Rotationskreuzung (≥3-Linien) in bestehender oder neu aufgebauter Produktionsherde (geschlossenes System)
1. Eigenremontierung mit Zukauf der Großelterntiere
Bei Zukauf der Großelterntiere findet ein eingeschränkter Tierverkehr statt. Nur diese werden in geringen Stückzahlen (Umfang max. ca. 5% der Herde) und größeren zeitlichen Abständen (z.B. 2x jährlich) in gestaffelten Altersgruppen in den Betrieb eingegliedert. Durch Zukauf der Großelterntiere und den Einsatz des Zuchtlinienspermas wird der Zuchtfortschritt in den Betrieb getragen. Um ihn optimal zu nutzen, wird von einigen Zuchtunternehmen bei den Reinzuchtsauen eine etwas höhere Remontierungsquote empfohlen (z. B.: 50 %).
Konkret an einem Beispiel heißt dies: Die gesamte Kernherde macht bei einer normalen Zwei-Linien-Produktionssau etwa 10 % aus und besteht aus zugekauften Großelterntieren einer Linie (z.B. Large White). Diese werden dann mit Sperma einer zweiten Linie (Landrasse) zur Erzeugung der Produktionssauen angepaart. Die weiblichen Ferkel aus der Zuchtanpaarung werden im Betrieb separat aufgezogen. Die besten Jungsauen dienen später der Bestandsergänzung. Die Produktionssauen machen ca. 90 % der Herde aus und dienen der Mastferkelerzeugung. Dieses Konzept ist in Eigenremontierungs-Betrieben weit verbreitet und ab 250 – 1000 Sauen mit vertretbarem, organisatorischem Aufwand sehr gut umzusetzen.
2. Eigenremontierung mit eigener Produktion der Großelterntiere
Bei diesem System ist die Herde komplett geschlossen. Der Zuchtfortschritt wird ausschließlich über Zuchtsperma aus der Basisstufe (Nucleus) des jeweiligen Zuchtprogramms in die Herde transferiert und durch entsprechende Selektion der Großelterntiere gesichert. Für den langfristigen Erfolg dieser Zuchtkonzeption ist eine Mindestgröße der Kernherde, die bei einer Zweilinien-Kreuzung 10 % des Bestandes ausmacht, je nach Anzahl der Ausgangslinien und Produktionsrythmus von 50 bis 100 Sauen im Betrieb erforderlich.
Die Anpaarungen für die Reinzuchttiere spalten sich in einen geringen Umfang an Reinzuchtanpaarungen (z.B. Large White x Large White) auf, sowie in einem etwas höheren Anteil mit Anpaarungen zur Erzeugung von Produktionssauen (z.B. mit Landrasse-Sperma). Gerade bei den Anpaarungen für die Reinzuchtsauen zur Remontierung der Kernherde ist eine gezielte Auswahl der besten Reinzuchttiere, die Unterstützung der Selektionsentscheidungen durch Zuchtwerte von den Zuchtunternehmen, Integration in Paarungspläne zur Vermeidung von Inzuchtanpaarungen sowie eine scharfe Auswahl bei den zur Aufzucht geeigneten Ferkeln/Würfen unabdingbar.
Nachlässigkeiten, wie z.B. Jungsauen aus anomaliebelasteten Würfen, können in den folgenden Generationen fatale Auswirkungen auf die gesamte Sauenherde haben, so dass dieses organisatorisch sehr aufwändige Modell erst in gut organisierten Großanlagen meist ab 1000 Sauen aufwärts zu finden ist.
3. Wechselkreuzung
Bei der Wechselkreuzung - auch Criss-Cross genannt - wird zumeist auf Basis von zwei Linien gearbeitet (z.B. Large White und Landrasse). Die meisten Betriebe haben jedoch mit der Produktionsherde die erste Generation Kreuzungssauen im Bestand, so dass sie gleich mit der zweiten Generation beginnen können. Mit diesen Hybridsauen wird eine Rückkreuzung auf eine der beiden Ausgangslinien (z.B.: Large White) durchgeführt. Die aus dieser Anpaarung entstehenden Jungsauen werden dann mit der zweiten Linie (z. B. Landrasse) angepaart. In den folgenden Generationen wechseln sich Landrasse und Large White immer ab. Langfristig verteilen sich die Genanteile in den Wechselkreuzungssauen im Verhältnis von ca. ⅔ zu ⅓ mit ⅔-Genanteilen der zuletzt eingesetzten Eberlinie.
Da alle Bestandsauen zur Zuchtanpaarung genutzt werden können, ist es möglich die besten 10 % auf Basis mehrerer Wurfleistungen von Mastferkeln für die Remontierung zu selektieren. Die auf die einzelbetrieblichen Bedingungen angepasste Selektionsbasis kann den möglichen Verlust an Heterosis ausgleichen. Der Ausgeglichenheit der Ausgangslinien kommt hierbei besondere Bedeutung zu, da die Gefahr der typmäßigen Aufspaltung bei diesem Verfahren am größten ist. Insofern empfiehlt sich diese Variante eher bei klassischen Kreuzungsauen auf Basis von Landrasse und Large White Linien, wobei auch diese beiden Linien eine hohe Ausgeglichenheit im Typ aufweisen sollten. Durch die Tatsache, dass die gesamte Herde für die Zuchtanpaarungen zur Verfügung steht, ist ein Wechselkreuzungs-Schema auch schon in kleinen Beständen ab 200 Sauen und teilweise auch darunter erfolgreich umzusetzen.
Jungsauenaufzucht und Vermarktung der Vorstufenbörge optimal gestalten
Abgestimmt auf den Produktionsrhythmus werden die Stammsauen in der Zuchtstufe angepaart. In gut geführten Betrieben fallen je Stammsau und Jahr im Mittel zwischen 9 und 11 aufzuchtwürdige Zuchtläufer an. Bei einer Selektionsquote von 70 – 80 % verbleiben dann 7 – 9 Jungsauen/Jahr zur Bestandergänzung. Passend dazu müssen Plätze für die separate Aufzucht der Jungsauen im Betrieb oder in Pachtställen vorgehalten werden.
Die Zuchtläufer ab ca. 30 kg LG einfach zwischen Mastschweine zu stallen, ist keine optimale Alternative, da ab etwa 50 kg LG ein energieabgesenktes, rohfaserreiches Aufzuchtfutter mit etwas geringerer Aminosäurenausstattung und entsprechend hohen Mineral- und Wirkstoffgehalten eingesetzt werden sollte. Um Tageszunahmen von unter 650 g in der Aufzuchtphase von 30 – 90 kg LG zur realisieren, ist eine Futtermengenbegrenzung nach vorgegebener Futterkurve spätestens ab 60 kg sinnvoll, um durch gebremsten Muskel- und Fettansatz späteren Fundamentproblemen vorzubeugen und einen optimale Aufbau des Bänder und Knochengerüstes der Jungsauen zu erreichen. Einem Auseinanderwachsen der Jungsauengruppen kann durch möglichst enge Tier-Fressplatz-Verhältnisse entgegengewirkt werden. Daher sind für die Aufzucht Breiautomaten und Kurztrogsysteme nicht vorrangig zu empfehlen.
Ebenso sollte für die gesamte Aufzuchtphase ein Platzbedarf von mindestens 1 m²/Tier vorgehalten werden, um den Bewegungsapparat der späteren Produktionssauen entsprechend zu trainieren.
Die Vermarktung der ebenfalls anfallenden "Zuchtnebenprodukte" als Absetzferkel oder Läufer ist für viele Eigenremontierer ein Problem. Praxiserfahrungen belegen, dass Vorstufenbörge trotz zumeist besserer Gesundheit und Tageszunahmen je nach genetischen Ausgangslinien und Mastmanagement im Mittel 1 – 5 % geringere Magerfleischanteile gegenüber Mastendproduktbörgen aufweisen und damit etwa 3 bis 15 € geringere Erlöse je Mastschwein bei konventioneller Vermarktung erzielen. Am freien Markt werden daher Vorstufenferkel meist mit Preisabschlägen von 10 - 15 € je Tier, teilweise auch darüber, gehandelt. Die geringsten Erlöseinbußen sind in der Regel nur bei entsprechend angepasster Futterkurve in Flüssigfütterungssystemen am Quertrog möglich. Dies schränkt die Zahl der potenziellen Mastbetriebe erheblich ein. Aus diesem Grund gilt für reine Ferkelerzeugerbetriebe mit Eigenremontierung die Empfehlung nach Möglichkeit nicht nur die entsprechenden Aufzuchtkapazitäten einzurichten, sondern auch eine entsprechende Anzahl von Mastplätzen für Nebenprodukte selbst vorzuhalten (z. B. über Pachtställe).
Wer keine Möglichkeit zur Ausmast der Vorstufentiere im Betrieb einrichten kann, sollte insbesondere bei festen Lieferbeziehungen mit seinem Mäster reden und mit ihm eine für beide Seiten akzeptable Lösung finden. Das unabgesprochene "Untermischen" der Nebenprodukte führt regelmäßig zu Konflikten und belastet eine ansonsten stabile Ferkelerzeuger-Mäster-Beziehung. Ebenso sollte auch für Vorstufentiere eine eindeutige Kennzeichnung gegeben sein. Dies erleichtert das Mastmanagement und deren Rückverfolgbarkeit im Hinblick auf die tatsächlichen Erlöseinbußen von Vorstufentieren im Mastbetrieb.
Betriebsindividuelle Konzepte erschweren den Vergleich
So verschieden und anpassungsfähig wie die Eigenremontierungskonzepte sind auch die Serviceleistungen und Kostenmodelle. In der Praxis finden sich daher Betriebe, die erfolgreich ohne größere organisatorische Anbindung an ein Zuchtunternehmen im Rahmen einer Wechselkreuzung ihre Sauenherde remontieren, bis hin zur geschlossenen Sauenanlage, die die züchterische Betreuung ihrer Stammherde und alle anfallenden Arbeiten im Rahmen der Bestandsergänzung komplett durch Mitarbeiter eines Zuchtunternehmens vergeben hat.
In den meisten Fällen nutzt der eigenremontierende Betrieb die Management Software für die Herdenführung und die weitergehende Datenverarbeitung im Zuchtunternehmen. Hierdurch wird die Selektions- bzw. Merzungsentscheidung bei den Jung- und Altsauen durch Zuchtwerte, Anpaarungspläne und Produktionsindex optimal unterstützt. Neueinsteigern sei zusätzlich eine praktische Hilfestellung bei der Selektion von Jungsauen durch Mitarbeiter des Zuchtunternehmens empfohlen.
Trotz des umfangreichen Serviceangebotes der Zuchtorganisationen verlangt die Eigenremontierung seitens des Betriebsleiter und/oder der Mitarbeiter neben einer konsequenten Leistungskontrolle und Kennzeichnung der Tiere über entsprechende Managementprogramme der Zuchtunternehmen ein stärkeres Gespür für das Einzeltier. Das „züchterische Händchen“, von vielen Ferkelerzeugern als altmodisch abgelegt, ist hier wieder gefragt. Die Fähigkeit, Einzeltiere umfassend zu beurteilen und Selektions- bzw. Anpaarungsentscheidungen auf der Grundlage bereitgestellter Leistungsinformationen und Tierbeurteilung eigenständig vorzunehmen, macht den Erfolg solcher Konzepte erst aus. Nicht umsonst finden sich gerade unter den erfolgreichen Betrieben mit Eigenremontierung viele ehemalige Jungsauenvermehrer.
Hinsichtlich der Kosten kann man bei der Eigenremontierung, im Vergleich zum klassischen Jungsauenbezug in den meisten Fällen keine nennenswerten Vorteile erwarten, wenn man alle Kostenfaktoren (z. B.: erhöhter Arbeitsaufwand, Mindererlös für Vorstufentiere, evtl. Bonusabschläge durch kleiner Mastferkelpartien, erhöhter Futter- und Technikaufwand durch separate Aufzucht) mit einbezieht. Sie belastet allerdings nicht so stark die Liquidität eines Betriebes, da die reinen Aufzuchtkosten (ohne Zuchtzuschläge) von ca. 120 – 140 € je Jungsau nur in Teilen direkt zu zahlen sind. Die direkten Kosten der Eigenremontierung werden auf Basis von Zuchtzuschlägen, auch Lizenzgebühren genannt, erhoben. Ebenso wie beim Servicepaket ist ein Kostenvergleich zwischen verschiedenen Zuchtunternehmen kaum möglich. Die Höhe der Lizenzgebühr hängt vom züchterischen Aufwand im Zuchtprogramm selber (z.B. Anzahl der Ausgangslinien, Remontierungsrate der Vorstufeneber) dem angebotenen Service- und Leistungsumfang für den Betrieb, und der Größe des jeweiligen Sauenbestandes ab. Meistens werden die Lizenzgebühren über Zuschläge beim Bezug von Vorstufensperma oder auf Basis der Anzahl remontierter Sauen erhoben. Einige Zuchtunternehmen bieten aus Liquiditätsgründen auch monatliche Lizenzzahlungen auf Basis der vorhandenen Bestandssauen an. Bei freiem Bezug von Vorstufensperma werden derzeit zumeist Zuschläge zwischen knapp 20 – 40 € je Spermatube erhoben. Dies entspricht bei 4 Zuchtläufern je Wurf etwa 10 – 22 € Zuchtzuschlag je Tier. Bei weitergehender Anbindung in Close-Herd-Programme des Zuchtunternehmens sind teilweise auch günstigere Konditionen für Zuchtsperma möglich. Die Zuchtunternehmen bestehen jedoch auf eine grundsätzliche vertragliche Anbindung des jeweiligen Betriebes mit der KB-Station, um die geltenden tierzuchtrechlichen Informations- und Dokumentationsverpflichtungen von den Betrieben abfordern zu können. Bei der Abrechnung auf Basis der remontierten Jungsauen, die in vielen Fällen mit einem höheren Betreuungsaufwand der Betriebe einhergeht, liegen die Preisspannen je nach Aufwand und Größe des Bestandes zwischen 20 und 50 € je Jungsau.
Fazit:
Der Hauptvorteil der Eigenremontierung liegt in einer stabileren Herdengesundheit und einfacheren Eingliederung von Jungsauen in die Herde. Auch bei seuchenbedingten Transportbeschränkungen läuft die Remontierung der Sauen meist ohne Probleme weiter. Um mit der eigenen Erzeugung von Jungsauen auf Dauer Erfolg zu haben, bedarf es einer Vielzahl von betrieblichen Voraussetzungen, die sicherlich nur ein Teil der Ferkelerzeugerbetriebe erfüllen kann. Ein Erfolgsrezept für alle Sauenhalter ist die Eigenremontierung mit Sicherheit nicht. Entscheidend ist nicht zuletzt auch der Spaß an der Zucht !!
Die Landwirtschaftskammer Niedersaschsen bietet für Intersessierte einen überregionalen "Spezialarbeitskreis für Ferkelerzeuger mit Eigenremontierung" an. Weitere Informationen dazu finden Sie im pdf-Anhang.
Kontakt: Dr. Uwe Clar
Berater Beratung/Versuchswesen Schweinehaltung, Zuchtleitung, Stammbuch Kaltblutpferde Niedersachsen
Telefon: 0581 8073-126
Telefax: 0581 8073-160
E-Mail:

News aktuell 
