Login Shop


Diese Seite drucken

02.12.2011 -  Biologische Leistungen in der Sauenhaltung im Visier

Der Rheinische Erzeugerring für Qualitätsferkel e. V. hat im Herbst 2011 die Betriebszweigdaten von 139 Mitgliedern ausgewertet und so die erzielten biologischen Leistungen ermittelt. Wie zu erwarten, ist im Vergleich zum Vorjahr eine weitere Leistungsentwicklung zu verzeichnen. Das betraf sowohl das „Mittelfeld“ als auch besonders die „oberen 25 %“. Mittlerweile hat die durchschnittliche Herdengröße die Marke von 200 Sauen überschritten; die Anzahl abgesetzter Ferkel/Sau/Jahr ist auf die bisherige Rekordzahl von 25,28 „geklettert“, das sind 0,73 Ferkel mehr als 2010. Nach der vorgenommenen betriebswirtschaftlichen Bewertung erbrachte jedes zusätzlich abgesetzte Ferkel unter den Marktbedingungen im WJ 2010/11 abzüglich Futter- und Impfkosten einen Mehrgewinn von ca. 36,67 Euro/Ferkel.

Einige Ergebnisverbesserungen in puncto Wurfleistung fallen besonders ins Auge:
1. Dank des züchterischen Fortschrittes bei den Mutterrassen der im Rheinland verbreiteten Sau-enherkünfte (Genetiken) hat sich die Wurfgröße bei den Jungsauen schrittweise derjenigen bei Altsauen angenähert; das gilt besonders für das obere Viertel der Betriebe.
2. Die Zahl der lebend geborenen Ferkel/Sau/Jahr hat mittlerweile ein Durchschnittsniveau von fast 30 Ferkeln erreicht und liegt bei den oberen 25 % nochmals um 10 % darüber; in der Spitze erreichen die „Top 10 - Betriebe“ bei der genannten Kennzahl 35,44 Stück und übertreffen bezüglich der Zahl abgesetzter Ferkel je Sau und Jahr mit 30,77 Stück erstmals die 30er Marke.
3. Die erzielte Wurfgrößensteigerung der letzten Jahre war nicht mit höheren Ferkelverlusten in der Säugezeit verbunden. Sowohl das absolute Niveau der Säugeverluste als auch deren nahezu gleich bleibende Höhe im Verlaufe des letzten halben Jahrzehntes sprechen für die Qualität der diesbezüglichen Management- und tiergesundheitlichen Maßnahmen in den rheinischen Sauenherden.
4. Seit 2005/2006 sind die mittleren Säugezeiten um drei Tage verkürzt worden. Die um diesen Betrag reduzierte Zwischenwurfzeit erklärt aktuell etwa 0,58 Ferkel resp. 17 % des erreichten Leistungszuwachses der letzten sechs Jahre. Zweifellos tragen kürzere Säugezeiten insbesondere bei weiter steigenden Ferkelzahlen dazu bei, die Muttertiere vor überhöhten laktationsbedingten Substanz- und Konditionsverlusten zu schützen. Zugleich gilt es zu beachten, dass bei einer mittleren Laktationsdauer von drei Wochen 10 bis 15 % der Absetzferkel weniger als 4 kg wiegen. Daraus erwachsen erhöhte Anforderungen produktionstechnischer und finanzieller Art für die nachgelagerte Ferkelaufzucht.

Bekanntermaßen stellt auch die Wurfnummer der Sauen einen wichtigen Einflussfaktor auf die erzielten Fruchtbarkeits- und Aufzuchtleistungen dar. Hier wurde eine Reihe noch bestehender Schwachstellen ersichtlich, deren Überwindung einen ratsamen Weg zur künftigen Effizienzsteigerung in den Ferkelerzeugerbetrieben aufzeigt. Als Schwerpunkte kristallisieren sich die jüngeren Sauenkategorien heraus, die wegen ihres noch anhaltenden Wachstums bei weiter wachsen-den Wurfgrößen besonderen Belastungen der reproduktiven Fitness ausgesetzt sind. Generell signalisiert der Ferkelindex, dass die Sauen bis zum siebten Wurf wünschenswert hohe Fruchtbarkeitsleistungen erbringen. Danach sinkt ihr reproduktives Leistungsvermögen signifikant ab. Es ist Zeit, diese alten Muttertiere durch zuchtreife Remontetiere zu ersetzen.

Die Auswertung des Rheinischen Erzeugerringes zeigt, dass das biologische Potential der Sauen dank des anhaltenden Zuchtfortschritts weiter gewachsen ist. Wie weit dieses Potenzial auf den Betrieben ausgeschöpft wird, hängt vom Niveau des Herdenmanagements und den sich verän-dernden betriebsindividuellen Bedingungen ab.

„Ferkelzahlen steigen weiter an“ von Johannes Hilgers und Hans-Willi Boekels in LZ 42/11, S. 36 – 37