Login Shop


Diese Seite drucken

25.06.2010 -  Hungergrube: Wie gut ist der Pansen gefüllt?



Die Beurteilung der Hungergrube nach einem festgelegten Boniturschema mit fünf verschiedenen Noten ist ein gutes Kriterium, um die Futteraufnahme von Kühen speziell in der Frühlaktation zu erfassen. Selbst bei Trockenstehern „kann der Füllungsstand der Hungergrube Hinweise für die zu erwartende Stabilität und Gesundheit der Kühe zum Laktationsstart sein.“

Die Pansenfüllung als Kriterium für die Futteraufnahme wird nach einem in den Niederlanden entwickelten System bewertet, wobei die Noten 1 und 2 für eine sehr niedrige Futteraufnahme stehen. „Die Note 3 wäre dagegen als Bestätigung einer erwünscht hohen Futteraufnahme von leistungsstarken Kühen zu werten, während die Noten 4 und insbesondere 5 für Altmelker und Trockensteher typisch sind.“ Versuche im Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden zeigten, dass die an Hand der Hungergrubenausprägung getroffenen Aussagen zur Futteraufnahme dem tatsächlichen Verzehr sehr nahe kommen. Im Versuch wurde das Futter vor Zuteilung gewogen und verbleibendes Restfutter ebenfalls gewichtsmäßig erfasst. Die Bonitierung der Hungergrube erfolgte innerhalb der ersten drei Tage nach der Kalbung sowie am 30. und 60. Laktationstag. Es zeigte sich, dass die Mehrzahl der Kühe, die nach der Kalbung über einen gut gefüllten Pansen verfügten, auch an den übrigen Messterminen eine gute Futteraufnahme aufwies. Umgekehrt blieben Kalbinnen mit ausgeprägter Hungergrube in den meisten Fällen auch am 30. und 60. Laktationstag bei ihrer schlechten Futteraufnahme. Das bedeutet: „Für eine Kuh mit tief eingefallener Hungergrube zum Laktationsstart besteht ein erhöhtes Risiko fortgesetzt geringer Futteraufnahmen auch in den Wochen danach.“

Bezogen auf den BCS erreichten Kühe mit ausgeprägter Hungergrube eine schlechtere BCS-Note als ihre Artgenossinnen mit kleinerer Hungergrube und damit besserer Futteraufnahme. Die aus der Beurteilung der Hungergrubenausprägung gewonnenen Informationen können für das Herden- und Fütterungsmanagement genutzt werden. Allerdings empfiehlt es sich, „dieses Merkmal im Komplex mit anderen Parametern zu sehen, die eine Einschätzung der Versorgungslage der Kuh zulassen.“ Zu nennen sind hier neben den Ergebnissen aus der Milchleistungsprüfung Faktoren wie das Haarkleid und die Körperkondition.

„Ist der Pansen wirklich gut gefüllt?“ von Thomas Engelhard und Dr. Bernd Fischer in Land & Forst 19/2010, S. 41 - 43
bullet