Login Shop


Diese Seite drucken

30.04.2010 -  Wasser entkeimen, Biofilm abbauen

Grundvoraussetzung für gute Leistungen in der Schweine- und Geflügelhaltung ist hygienisch einwandfreies Wasser. Oft gelangen Keime erst im Leitungssystem des Stalles ins Wasser. Ursache ist der sogenannte Biofilm, der sich in den Leitungen absetzt. “Grundsätzlich bestehen Biofilme aus Bakterien ,Algen, Pilzen und Protozoen (Einzellern).“ Je nach Zusammensetzung des Wassers wächst der Biofilm schneller oder langsamer. „Die Gefahr von Biofilmen steigt, je wärmer das Wasser und je geringer die Durchflussrate ist. Insbesondere bei Stehzeiten, z.B. während der Serviceperiode, ist die Gefahr der Verkeimung des Wassers groß.“ Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Keimgehalt des Wassers gering zu halten und dadurch einem Biofilm vorzubeugen. Ebenso werden am Markt unterschiedliche Systeme zum Abbau des Biofilmes angeboten, wie die folgende Übersicht zeigt:

1. Filter: Ist das Wasser sehr calcium-, eisen- oder manganhaltig, so lohnt sich das Einsetzen eines Filters. Dieser hält ebenso Sand und Schlamm fern. Die Kosten liegen bei Filtersystemen mit Rückspülung bei 1500 €.

2. UV-Licht: UV-Licht tötet im Wasser vorhandene Keime ab. Das Verfahren wird auch zur Trinkwasseraufbereitung eingesetzt. „UV-Strahlen haben jedoch keinen Effekt auf die Bildung des Biofilms in den Leitungen.“ Da die Leistung der Speziallampe nachlässt, muss sie regelmäßig ersetzt werden (60 €). Für das System selbst sind 1500 € zu veranschlagen.

3. Organische Säuren: Organische Säuren wirken stark antimikrobiell. Ihr Nachteil: Sie greifen das Metall an, so dass abpuffernde Säuren zugesetzt werden müssen, um Schäden an Pumpen und Leitungen auszuschließen. Der pH-Wert des Wassers sollte nicht unter 4,5 sinken, da Tiere nicht gerne „saures“ Wasser aufnehmen. „Außerdem reduzieren die Säuren die Wirksamkeit einiger Medikamente, wenn diese über das Trinkwasser gegeben werden.“ Organische Säuren bauen einen vorhandenen Biofilm nicht ab. Daneben verursacht das Verfahren je nach verwendeter Säure und Konzentration relativ hohe laufende Kosten von ca. 1,50 €/m³ Wasser.

4. Chlorverbindungen: Zum Einsatz kommen verschiedene Chlorverbindungen, die sowohl im Wasser vorhandene Keime abtöten als auch einen im Leitungssystem vorhandenen Biofilm auflösen, aber nicht restlos beseitigen. „Zur annähernden Beseitigung des Biofilms muss bei leerem Stall 10 %-ige Chlorbleichlauge in das Wasser dosiert und 24 Std. stehen gelassen werden.“ Chlordioxid wird auch zur Wasseraufbereitung von Trinkwasser verwendet und fällt nicht unter das Futtermittelrecht. Chlordioxid reduziert im Wasser vorhandene Mikroorganismen sehr gut. Auch finanziell gesehen ist die Anwendung interessant: Die Pumpe ist für 700 € erhältlich, die laufenden Kosten sind mit 0,16 € zu beziffern.

5. Elektrolyseverfahren: Man unterscheidet verschiedene Elektrolyseverfahren, deren Grundprinzip jedoch ähnlich ist: Je nach Verfahren entsteht eine saure Lösung, die Pilze, Bakterien und Hefen dezimiert. Zum anderen wird eine stark alkalische Lösung mit reinigender Wirkung gebildet. Bei einem zweiten Verfahren wird mit nur einer Lösung gearbeitet, die als Hauptwirkstoff hypochlorige Säure sowie weitere Chlor- und Sauerstoffverbindungen enthält. Mit Hilfe dieses Verfahrens lässt sich der Keimgehalt im Wasser – egal wie hoch – auf Null senken. Versuche zeigen, dass das hygienischere Trinkwasser die Leistungen bei Schweinen verbessert und die Verlustrate minimiert. „Die Kosten für Elektrolysegeräte liegen im fünfstelligen Euro-Bereich.“ Hinzu kommen laufende Kosten von ca. 0,27 €/m³.

6. Elektromagnetisches Reinigungsverfahren: Die Wirkungsweise des elektromagnetischen Reinigungsverfahren beruht darauf, dass die Eigenschaften der Wassermoleküle durch elektromagnetische Wellen dahingehend geändert werden, dass sie im Wasser befindliche Stoffe wie beispielsweise Eisen, Mangan, umhüllen. Dadurch können sich diese Wasserinhaltsstoffe nicht mehr als Biofilm ablagern. Außerdem baut das Reinigungsverfahren vorhandene Biofilme ab. Da das Wasser durch die elektromagnetischen Wellen ständig in Bewegung ist, besteht auch während der Stallreinigung und –desinfektion, also zu Zeiten, wo kein Wasser aus dem Leitungssystem entnommen wird, keine Gefahr der Keimansammlung. Für das Verfahren spricht weiterhin die bessere Löslichkeit von chemischen Zusätzen wie Medikamenten oder Reinigungsmitteln. Daneben konnte in Versuchen nachgewiesen werden, dass Geflügel die im Wasser gelösten Nährstoffe besser aufnehmen und verwerten kann, was die Futterverwertung verbessert. „Es entstehen keine laufenden Kosten und es gelangen keine Chemikalien in das Tier.“ Das mit dem Preis für neue Umwelttechnologien (Clean Tech Start Up Award 2009) ausgezeichnete Reinigungsverfahren wird zum Preis von ca. 3000 € auf dem Markt angeboten.

„Vorsicht vor Keimbomben in der Wasserleitung“ von Dirk Hogenkamp in SUS 2/2010, S. 48 – 53