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05.03.2010 - Die Harnprobe zeigt es: Stimmt der Strukturgehalt der Milchviehration?
Der Harn, genauer gesagt das Verhältnis von Säuren und Basen im Harn, lässt Rückschlüsse auf die Strukturwirksamkeit der Ration zu. Je höher der Kraftfutteranteil in der Ration ist und damit der Rohfasergehalt sinkt, desto tiefer sinkt der Wert für das Säure-Basen-Verhältnis im Harn. Dieses wird als Netto-Säuren-Basen-Ausscheidung, kurz NSBA, bezeichnet. „Sie ist die Summe aller im Harn ausgeschiedenen Säuren und Basen und somit ein Maß für die Reaktion des Körpers auf Belastungen des Säure-Basen-Haushaltes.“ Bei ausgeglichener Ration mit genügend strukturwirksamer Rohfaser liegt die NSBA im Harn bei 100 und 200 mmol/l. Wird sehr kraftfutterreich gefüttert, sinkt die NSBA auf Werte zwischen 60 und 0 mmol/l und mahnen eine subklinische Pansenazidose an. Bei Werten unter 0 leidet die Kuh an einer akuten Azidose!
Am Zentrum für Tierhaltung und Technik Iden stellten Wissenschaftler nun fest, dass neben der NSBA auch das Verhältnis von Kationen und Anionen im Harn zu berücksichtigen ist. Dieser Wert wird in der Kationen-Anionen-Bilanz (DCAB) erfasst. Futtermittel, die einen hohen Anteil an Kationen (Natrium, Kalium) aufweisen, sind beispielsweise Sojaextraktionsschrot, Grünfutter und –silagen. „Dagegen besitzen Rapsextraktionsschrote, Biertreber und Körnermais einen hohen Gehalt an Anionen (Chlor, Schwefel); sie weisen einen negativen DCAB-Wert auf. Im Versuch erhielten 136 Milchkühe in Iden, aufgeteilt auf zwei Gruppen, jeweils eine Ration mit erhöhtem Anteil an Sojaextraktionsschrot- sprich Rapsextraktionsschrot; zwei weitere Gruppen wurden rohfaserreich beziehungsweise kraftfutterreich und ebenso mit erhöhten Anteilen an Raps- bzw. Sojaschrotanteil gefüttert. Das Ergebnis war eindeutig: Die Netto-Säuren-Basen-Ausscheidung (NSBA) lag bei der Soja-Gruppe bei durchschnittlich 90 mmol/l, bei der Raps-Gruppe dagegen bei 163 mmol/l. Hier gab die NSBA deutliche Hinweise. „Dagegen konnte zwischen den grob- und kraftfutterreich gefütterten Milchkühen kein Unterschied im NSBA-Gehalt des Harns dokumentiert werden.“ Anders war das Ergebnis, wenn die Kationen-Anionen-Bilanz (DCAB) mit erfasst wurde. Hier zeigte sich, dass die Kuhgruppe mit hoher Rohfaserration und hohen DCAB-Gehalten (= hoher Kationenanteil) die höchsten NSBA-Werte im Harn aufwies. Für die Praxis bedeutet das, dass die NSBA-Werte zwar deutliche Hinweise auf den Gehalt an Rohfaser in der Ration geben. Allerdings muss bei der Interpretation dieser Ergebnisse berücksichtigt werden, zu welchen Anteilen Sojaextrakions- und Rapsextraktionsschrot
Nebenprodukt der Gewinnung von Rapsöl aus Rapssaat durch Extraktion
Rapsextraktionsschrot in der Ration vorhanden waren.
„Pansenazidose mit Harnproben aufdecken“ von H. Scholz und T. Engelhard in Elite 1/2010, S. 30 - 32


